Lorenz Seidler Gossel – Mit Leidenschaft Ideen schützen und verteidigen

In unserer Artikel-Serie „AssociateNews Backstage“ haben wir uns diesmal bei Lorenz Seidler Gossel in München umgesehen. Wir reden in dieser Serie mit den Menschen hinter den Kanzleinamen über ihr Selbstverständnis, den Markt und das Miteinander in der täglichen Arbeit. Peter Neuberger sprach mit Veit Kirchner (Partner) und mit Dr. Matthias Ringer (Associate) über Stabilität, die Freiheit in einer Boutique und vor allem über das Spannende am gewerblichen Rechtsschutz.  

Peter Neuberger: Seit über zwei Jahren befindet sich die Welt im Krisenmodus: Corona, Krieg und weiterhin natürlich der Klimawandel. Wie steuert Lorenz Seidler Gossel (LSG) durch diese Zeiten?

Veit Kirchner: Eigentlich typisch für unser Metier als IP-Kanzlei: stabil. Der gewerbliche Rechtsschutz zeichnet sich dadurch aus, dass es keine kurzfristigen extremen konjunkturellen Schwankungen nach oben und unten gibt. Wir haben eher eine Art Dauerkonjunktur, die auch in den jüngsten Krisen angehalten hat. Zunächst ist es so, dass wir mehr oder weniger für alle Branchen tätig sind. Krisen treffen die Gesamtwirtschaft ganz unterschiedlich, das hat man gerade bei Corona beobachten können. Zu unserem Mandantenstamm gehört zum Beispiel einer der großen Versandhändler in Deutschland. Da war natürlich plötzlich viel mehr los. Oder nehmen wir als weiteres Beispiel die Spielebranche, in der einige unserer Mandanten tätig sind. Die hatten plötzlich Hochkonjunktur. Während Corona saßen die Familien öfter zusammen und es wurde viel mehr gespielt und entsprechend mehr Spiele nachgefragt. Das regt Ideen in den Firmen an; diese Ideen zu schützen und zu verteidigen ist unser Metier. Andere Branchen hingegen wurden etwas vorsichtiger was Investitionen und Ausgaben anbelangt. Auch wenn es naturgemäß Verschiebungen gab, sind unsere Umsätze unterm Strich zu keiner Zeit eingebrochen – typisch für den traditionell sehr stabilen Geschäftsanfall im gewerblichen Rechtsschutz. Unsere Anwälte waren alle durchgängig voll ausgelastet. Alle Mitarbeitenden haben uns einmal mehr als stabilen und sicheren Arbeitgeber erlebt.

Dr. Matthias Ringer: Aus meiner Sicht als Associate und damit gewissermaßen als Angestellter war gerade der Beginn der Corona Zeit in der Rückschau zwar von einer gewissen Unsicherheit geprägt. Aber wir haben schnell gespürt, dass wir wirklich einen sehr stabilen und zuverlässigen Arbeitgeber an der Seite haben. Insbesondere wenn man in jener Zeit im Kanzleimarkt von Kurzarbeit oder sogar Kündigungen hörte.

Veit Kirchner, Diplom Physiker, Master of Science (USA) und Rechtsanwalt ist als Partner bei LSG auf allen Gebieten des Intellectual Property Law und des gewerblichen Rechtsschutzes tätig.

Bei LSG wurde immer klar kommuniziert, dass genügend Arbeit da ist und man sich keine Sorgen machen muss. Das hat nicht zuletzt den Zusammenhalt weiter gestärkt und die Entscheidung, beim richtigen Arbeitgeber zu sein, bestätigt. In der gesamten Corona Zeit gab es bei LSG nie Kurzarbeit oder Stellenabbau, es wurden sogar neue Anwälte eingestellt.

Peter Neuberger: Ist demnach Stabilität etwas, was zu den Kernwerten von LSG zählt?

 

Dr. Matthias Ringer: Auf jeden Fall. Wir hatten gerade im Juli diesen Jahres erst unsere 60-Jahr-Feier. Da beschäftigt man sich natürlich auch einmal intensiver mit der Kanzleigeschichte. Ich selbst bin jetzt seit einem Jahrzehnt dabei. Die Kanzlei hat alle Krisen gemeistert und hat sich kontinuierlich vergrößert und weiterentwickelt und steht mit an der Spitze des Marktes. Das ist Stabilität auf höchstem Niveau, das ist schon was. Das gibt mir als einem Teil der Kanzlei ein richtig gutes Gefühl.

Veit Kirchner: Ja, wie Herr Dr. Ringer sagt, 60 Jahre kontinuierliches Wachstum bei LSG und wie es der Zufall will, bin ich selbst fast auf den Tag genau seit 20 Jahren als Anwalt bei LSG tätig. Den ersten Kontakt zur Kanzlei hatte ich bereits 1993, als ich – damals noch in meinem Physikstudium – hier als Praktikant tätig war. Ich kenne die Kanzlei damit schon fast drei Jahrzehnte. Vor 20 Jahren gab es auch Unsicherheiten im Markt, da war gerade die Dotcom Blase geplatzt. Das hat hier schon damals keinen irgendwie verunsichert. LSG hat immer auch in Krisen Anwälte eingestellt, da bin ich so eine Art persönliches Beweismittel. Sechzig Jahre sind schon ein langer Zeitraum, vor allem 60 erfolgreiche Jahre mit ganz, ganz stetigem Wachstum. Die Wachstumskurve der Kanzlei hat keinen Zickzack-Verlauf. Vor sechzig Jahren haben Herr Lorenz und Herr Seidler zu zweit angefangen und heute sind wir mehr als 20 Berufsträger, ohne dass es auf diesem Weg irgendwelche scharfen Ausschläge gegeben hätte, ganz zu schweigen von Abspaltungen o. Ä.

Das Mandatsvolumen ist genauso ohne Umbrüche mitgewachsen, selbst wenn die Zeiten manchmal schon umbruchartig waren. Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass wir stets fähig waren, uns an Veränderungen anzupassen und im Markt immer an der Spitze mitzuspielen.

Peter Neuberger: LSG gehört unbestritten zu den führenden Adressen im IP und gewerblichen Rechtsschutz in Deutschland. LSG ist dabei eine Boutique in Reinkultur: ein Standort, ein Fachgebiet auf Spitzenniveau und salopp gesagt mit einem kleineren Kader als der FC Bayern München. Wie besteht man gegen die typische Großkanzlei mit zum Teil hunderten Associates allein in Deutschland?

Veit Kirchner: Zunächst einmal gehören wir mit über 20 Berufsträgern unter einem Dach tatsächlich zu den großen Einheiten in unserem Fachgebiet in Deutschland. Die IP Abteilungen der großen internationalen Häuser sind häufig auch nicht größer, teilweise sogar deutlich kleiner. Alle unter einem Dach heißt bei uns zudem tatsächlich, dass alle im selben Gebäude arbeiten, so dass wir uns auf kurzem Wege immer direkt austauschen können. Weiter ist es so, dass unser Zuschnitt, sowohl für uns als auch für unsere Mandanten erhebliche Vorteile bietet. Wir können mit unserer Aufstellung IP-Fälle jeder Größe abwickeln, müssen aber keinen großen Overhead mitfinanzieren. Wir sind frei in der Gestaltung unserer Berufstätigkeit, müssen uns nicht nach “policies” anderer Geschäftsbereiche richten und können uns schnell anpassen. So können wir unsere Ressourcen voll für unsere Arbeit, für die Arbeit an den Mandaten einsetzen, uns bleibt am Ende sogar mehr Freizeit übrig.

Für das internationale Arbeiten haben wir ein großes Netzwerk. Kaum ein Unternehmen ist heutzutage nicht global tätig. Für unsere Mandanten organisieren wir den gewerblichen Rechtsschutz weltweit. Unser globales Netzwerk besteht aus Partnern, auf die wir uns seit Jahrzehnten verlassen können und unter denen wir frei nach Eignung für bestimmte Fallkonstellationen auswählen können, ohne den Zwang eines internationalen Verbundes. Unsere Struktur hat aber noch einen weiteren erheblichen Vorteil, und das ist die Stabilität und Kontinuität für unsere Mandanten. Wenn man die Großkanzleien so anschaut, hat man das Gefühl, dass diese sich schwerer tun bei den einzelnen anwaltlichen Beratern Stabilität und Kontinuität für ihre Mandanten sicherzustellen. Wir hingegen können auf Jahre oder auch Jahrzehnte sicherstellen, dass unsere Mandanten ein und denselben Ansprechpartner haben, den sie kennen und der das Unternehmen kennt. Und das sorgt natürlich bei den Mandanten für erhebliche Effizienzgewinne und wird dort sehr geschätzt. Viele Mandanten halten uns seit Jahrzehnten die Treue.

Diese Struktur führt auch zu einer sehr großen Zufriedenheit innerhalb der Partnerschaft. Wir hatten in den sechzig Jahren noch nie den Fall, dass ein Partner unsere Kanzlei verlassen hat, außer in den Ruhestand.

Peter Neuberger: Wenn wir einen Blick auf die tägliche Arbeit werfen, wird schnell sichtbar, dass IP und Markenrecht bei LSG auch sehr viel mit Rechtsdurchsetzung, sprich Prozessführung zu tun hat. Prozesse führen im Lockdown? Gab es da Brüche?

Dr. Matthias Ringer: Wir haben in der Tat einen sehr starken Fokus auf die Rechtsdurchsetzung. Das ist auch in der Corona Zeit so geblieben. Einen riesigen Bruch hat man da nicht gemerkt. Unsere Mandanten wollen weiterhin ihre Rechte durchgesetzt wissen, dafür sind Patente, Marken usw. wirtschaftlich einfach zu bedeutsam. Das führte unvermindert zu streitigen Auseinandersetzungen. Was schon eine Veränderung war, war die Anzahl der Videoverhandlungen. Diese haben massiv zugenommen. Am Anfang war das gewöhnungsbedürftig, jetzt geht es wie selbstverständlich von der Hand.  Je nach Fall kann das auch eine große Erleichterung für den Anwalt selbst und Kostenersparnis für den Mandanten sein, da man für teilweise nur 15-minütige Verhandlungen nicht mehr quer durch die Republik reisen muss. Da hat Corona neben allen Nachteilen doch auch den Segen der größeren Flexibilität in unsere Arbeit gebracht, was im Übrigen auch für die Etablierung der Home-Office Möglichkeiten gilt.

Wir hatten in den sechzig Jahren noch nie den Fall, dass ein Partner unsere Kanzlei verlassen hat, außer in den Ruhestand.

Veit Kirchner

Peter Neuberger: Was hat sich hier getan?

Veit Kirchner: Wir haben im Zuge von Corona Home-Office für sämtliche Mitarbeiter so ausgebaut, dass jeder von zu Hause aus voll arbeitsfähig ist. Am Anfang war das natürlich veranlasst durch die Sorge darum, bei einem massiveren Lockdown die Kanzleitätigkeit aufrecht erhalten zu können. Aber jetzt, wo das alles eingerichtet ist, wird es natürlich weiter genutzt. Und das werden wir nicht zurückschrauben. Aber ich stelle schon auch fest, dass es einfach schön ist, sich live zu sehen. Unsere Mitarbeiter haben sich alle gefreut, als die Einschränkungen hinsichtlich des Arbeitens im Büro entfallen sind. Der persönliche Kontakt prägt uns gerade als Boutique.

Dr. Matthias Ringer, Rechtsanwalt, trat 2012 direkt nach seiner Zulassung LSG bei. Er berät und vertritt Mandanten auf allen Gebieten des gewerblichen Rechtsschutzes.

Da haben neben dem persönlichen fachlichen Austausch Dinge wie das gemeinsame Lunch, Inhouse-Veranstaltungen oder auch unsere Laufgruppe schon sehr gefehlt.

Peter Neuberger: Was begeistert Sie gerade am Anwaltsberuf im gewerblichen Rechtsschutz?

Veit Kirchner: Ich wollte, als ich in den Beruf eingestiegen bin, unbedingt gewerblichen Rechtsschutz machen. Es ist einfach spannend, was sich die Unternehmen im Wettbewerb immer wieder einfallen lassen, um die Nase vorne zu haben. Daran mitzuwirken, dort dabei zu sein, und zwar über alle Wirtschaftsbranchen, bietet nur die spezialisierte Anwaltstätigkeit im gewerblichen Rechtsschutz. Ich würde es auf jeden Fall wieder so machen. Meine Erwartungen sind voll aufgegangen. Wir haben es bei LSG mit greifbaren Produkten zu tun, quasi “Recht zum Anfassen” und keine reine Aktenwälzerei. Es geht ständig um Innovationen, um neue Ideen, von daher ist es auch immer spannend und abwechslungsreich.

Und ein weiterer von mir überaus geschätzter Aspekt: man kann als Anwalt sehr frei arbeiten, kreativ und strategisch gestalten und denken, insbesondere im gewerblichen Rechtsschutz. Das gilt auch gerade für Berufseinsteiger. Wer bei LSG anfängt, bekommt sehr, sehr bald eigene Fälle, die vielleicht anfangs etwas “kleiner” sein mögen, bei denen man aber nicht nur Zuarbeiter ist, sondern Hauptsachbearbeiter, natürlich immer mit Unterstützung durch einen erfahrenen Mentor. Wer so etwas will, wer sehr frühzeitig eigenständiges, selbständiges Arbeiten möchte, der ist bei LSG richtig. Eines kann ich versichern: ich bin jetzt zwanzig Jahre bei LSG – und ich habe mich noch keinen Tag gelangweilt!

Dr. Matthias Ringer: Ich kann das nur bestätigen. Ich habe es auch nie bereut, insbesondere auch nicht in den letzten 2,5 Corona-Jahren. Da habe ich noch viel mehr gemerkt: IP ist krisenfest, LSG ist krisenfest. Vor gut zehn Jahren habe ich hier in der Wahlstation als Referendar angefangen und mich dann entschieden, den Berufseinstieg bei LSG zu machen. IP bedeutet bei jeder Kanzlei etwas anderes. Bei uns ist es zum einen IP in Reinform, also nicht nur Teil einer großen Praxisgruppe mit z.B. Commercial, wo einem dann auch häufig ganz andere Themen begegnen, zum anderen nicht nur reine Portfoliogestaltung und -verwaltung, sondern auch viel streitiges Geschäft. Ein weiterer Aspekt war die angesprochene Struktur von LSG als Boutique, konzentriert auf einen Standort. Für mich war es wichtig, dass über meine Karrierechancen nicht irgendein Gremium z.B. in London entscheidet, sondern die Menschen, mit denen ich tagtäglich zusammenarbeite. Und das, was Herr Kirchner schon gesagt hat, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: Man arbeitet nach kürzester Zeit sehr eigenverantwortlich. Das ist in vielen Kanzleien anders. Ich durfte hier sogar in der promotionsbegleitenden Zeit, also direkt nach dem Referendariat, bereits komplett alleine zu Gericht gehen. Das war natürlich nicht der große Millionenprozess, aber für jemanden, der frisch dabei ist, ein Riesenerlebnis.

Für mich war es wichtig, dass über meine Karrierechancen nicht irgendein Gremium z.B. in London entscheidet, sondern die Menschen, mit denen ich tagtäglich zusammenarbeite.

Dr. Matthias Ringer

Peter Neuberger: Sind das neben den Aspekten Stabilität und Kontinuität die Werte, für die LSG steht und die man hier findet, die aber auch eingefordert werden: Passion für den Anwaltsberuf und Leidenschaft für den gewerblichen Rechtsschutz?

Veit Kirchner: Wer bei LSG arbeiten möchte, muss auf jeden Fall die Begeisterung für den gewerblichen Rechtsschutz mitbringen. Es muss einen zu einem gewissen Grad faszinieren, was Leute für Ideen haben, um im Wettbewerb vorne mitzuspielen. Und dann muss man als Anwalt richtig Freude daran haben, etwas durchzusetzen und damit auch sich durchzusetzen. Das ist letzten Endes das, was die Mandanten wollen und zurecht erwarten, dass man für ihre Ideen kämpft und ihre Ideen schützt und ihren Interessen zum Durchbruch verhilft. Das erfordert aktive Menschen, Menschen die zupacken. Bürokratie oder Guidelines stehen da nicht im Vordergrund. Wir arbeiten hier alle am Erfolg für unsere Mandanten und an deren Zufriedenheit, und da lautet unser Motto ganz einfach: Machen.

Hintergrundinformationen

LSG – Lorenz Seidler Gossel

Vor heute 60 Jahren gegründet, zählt LSG mit Sitz in München seit Jahrzehnten zu Deutschlands führenden Adressen im gewerblichen Rechtsschutz. Die Kanzlei aus Rechts- und Patentanwälten bietet über alle Branchen hinweg Unternehmen vom Start-up bis zum börsennotierten Global Player Full Service im Marken-, Wettbewerbs-, Design- und Patentrecht. Mittels des globalen Netzwerks von LSG ist die Kanzlei in all diesen Bereichen auch international tätig und vertritt die Interessen ihrer Mandanten weltweit. Die Durchsetzung von Schutzrechten und damit häufig die Prozessführung ist ein Schwerpunkt der täglichen Arbeit der Anwälte von LSG.

Veit Kirchner

Veit Kirchner, Diplom Physiker, Master of Science (USA) und Rechtsanwalt begann seine berufliche Laufbahn als Rechtsanwalt 2002 bei LSG. Seit 2008 als Partner der Kanzlei ist er auf allen Gebieten des Intellectual Property Law und des gewerblichen Rechtsschutzes tätig. Im JUVE Handbuch über den Rechtsmarkt in Deutschland wird er zudem als „großartiger“ Anwalt im Maschinenbau empfohlen

 

Dr. Matthias Ringer

Dr. Matthias Ringer, Rechtsanwalt, trat 2012 direkt nach seiner Anwaltszulassung LSG bei, wo er bereits seine Wahlstation verbracht hatte. Zunächst war er bei LSG promotionsbegleitend tätig. Er berät und vertritt Mandanten auf allen Gebieten des gewerblichen Rechtsschutzes. Dabei hat er – wie LSG insgesamt- auch einen Schwerpunkt in der gerichtlichen Schutzrechtsdurchsetzung. Seit 2021 ist er zudem als Lehrbeauftragter für Patentrecht an der FOM München tätig.